THG-QUOTE: NUR GREENWASHING?

16.10.2022
GREENTALKS

WIE NACHHALTIG IST DIE TREIBHAUSGASMINDERUNGSQUOTE WIRKLICH?

Seit 01.01.2022 in Deutschland und dem 01.01.2023 in Österreich können auch eMobilist*innen von der THG-Quote einfach profitieren. Mithilfe von sogenannten Quotenpoolern - zum Beispiel uns - kannst du als Halter*in eines Elektrofahrzeuges für deine Emissionseinsparungen bis zu 350€ Taschengeld bekommen.

Doch mit dem Quotenhandel wachsen auch die Zweifel an seinem Nutzen. Ist die THG-Quote wirklich so nachhaltig und gut für das Klima, wie es den Anschein macht? Vereinzelt wird die THG-Quote als Greenwashing oder Ablasshandel der Mineralölkonzerne bezeichnet. Ist da was Wahres dran? Das erfährst du hier.

Kurz & knapp:

  • Die THG-Quote ist ein Klimaschutzinstrument
  • Der Quotenhandel ist kein Greenwashing
  • Die THG-Quote allein wird nicht die Verkehrswende bewirken, ist aber ein guter Anfang

WAS IST DIE THG-QUOTE?

Die THG-Quote wird durch das deutsche Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) und die 38. Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV Nr. 38) geregelt und besteht seit 2015. “THG-Quote” steht dabei für Treibhausgasminderungsquote. Also eine Quote, mit der Treibhausgase, wie CO2, gemindert, das heißt gesenkt, werden sollen. Bisher war der Handel mit den CO2-Zertifikaten noch Unternehmen vorbehalten. In Deutschland konnten in den letzten Jahren vor allem Energieversorger von den Zahlungen profitieren, aber das hat in der Praxis nicht richtig funktioniert. Seit kurzem können nun auch Privatpersonen profitieren.

Das Gesetz um die Quote dient als Klimaschutzinstrument und bestimmt, dass diejenigen, die in Deutschland Energie, und hier vor allem klimaschädliche Kraftstoffe wie Diesel und Benzin, in den Verkehr bringen, dazu verpflichtet sind, die dadurch entstehenden Emissionen, um einen gesetzlich festgelegten Prozentsatz zu mindern.

Aktuell müssen im laufenden Jahr die Ausstöße der Mineralölkonzerne um 7% unter dem fossilen Vergleichswert Wert liegen, 2030 müssen es dann bereits 25% weniger sein.

Schaffen sie das nicht, wird eine Strafzahlung für jede nicht eingesparte Tonne CO2 fällig. Um genau zu sein: 600€/t CO2.

Es gibt für Mineralölunternehmen grundsätzlich zwei verschiedene Optionen den Forderungen der THG-Quote nachzukommen:

  • Der eigene Verkauf emissionsärmerer Kraftstoffe (z.B. durch Biodiesel)
  • Der Einkauf von Einsparungen von anderen Marktteilnehmer*innen (wie z.B. dir als eAuto Halter*in)

Bisher haben die Konzerne für die Quotenerfüllung vor allem dem herkömmlichen Sprit Biokraftstoff beigemischt. Somit wurde aus Benzin E10 und aus Diesel B7. Doch durch den steigenden Emissionsminderungswert können sie damit auf lange Sicht nur noch schwer bis gar nicht die Quote erfüllen. Hier kommen die Umweltzertifikate der eAuto Fahrenden ins Spiel.

Besitzt du also ein Elektrofahrzeug, kannst du im Rahmen des THG-Quotenhandels deine CO2 Einsparung, bzw. die dadurch entstehenden Umweltzertifikate, an Mineralölkonzerne verkaufen. Diese können durch den Einkauf ihren Quotenanteil begleichen und finanzieren damit z.T. den Aufbau der Elektromobilität.

Warum ist die THG-Quote wichtig?

Mit der THG-Quote möchte die deutsche Bundesregierung bei den Mineralölkonzernen Anreize schaffen, den Einsatz von erneuerbaren Energien langfristig zu priorisieren und nicht zuletzt dadurch die Emissionen des Straßenverkehrs gezielt auf 0 zu bringen.

Die THG-Quote ist also ein Mittel zum Zweck für die Erreichung eines umweltfreundlichen Verkehrs und einer umweltfreundlichen Wirtschaft. Sie soll die Nachfrage nach erneuerbaren Energien steigern. Denn entweder nutzen die quotenverpflichteten Unternehmen erneuerbare Energien, um Emissionen zu senken, oder sie müssen hohe Strafen zahlen, sodass sich ihr bisheriges Geschäftsmodell nicht mehr rentiert. So soll eine effiziente Förderung eines emissionsfreien Verkehrs geschaffen werden.

Ziel der THG-Quote ist also, dass langfristig weniger fossile Kraftstoffe in den Verkehr kommen und erneuerbare Energieformen gefördert werden.

Mehr zum Thema THG-Quote findest du auch in unserem THG-Leitfaden.

WAS IST GREENWASHING?

Greenwashing bedeutet im Wesentlichen, dass ein Unternehmen oder eine Organisation mehr Zeit und Geld dafür aufwendet, sich als nachhaltig zu vermarkten, als dafür, ihre Umweltauswirkungen wirklich zu minimieren. Es ist eine trügerische Werbemethode, um die Gunst der Verbrauchenden zu gewinnen, die eigentlich Unternehmen unterstützen wollen, die sich um die Verbesserung des Planeten kümmern.

So raubt Greenwashing wertvollen Platz im Kampf gegen Umweltprobleme wie Klimawandel, Meeres- und Luftverschmutzung sowie das weltweite Artensterben.

Das vermeintlich umweltbewusste bzw. “grüne” Image wird häufig durch das Verwenden bestimmter Farben, Wörter, Phrasen oder das Hervorheben bestimmter “nachhaltiger” Aspekte erschummelt.

Das Ziel? Unternehmen wollen durch Greenwashing einen höheren Umsatz generieren, denn vor allem bei den jüngeren Generationen gewinnt die Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit eines Unternehmens als Kaufkriterium immer mehr an Gewicht.

Wie sieht Greenwashing in der Praxis aus?

Leider gibt es viele Beispiele für Unternehmen, die sich auf Greenwashing einlassen. Ein klassisches Beispiel dafür ist die größte Kaffeehauskette der Welt.

2018 wollte Starbucks das Image des Unternehmens aufpolieren, hat deshalb alle Einweg-Plastikstrohhalme verboten und einen strohhalmlosen Deckel eingeführt. Klingt toll? Tja, das sollte es auch sein, wenn da nicht die Tatsache wäre, dass der neue Deckel mehr Plastik enthält als der alte Deckel und der Strohhalm zusammen.

Ein weiteres Beispiel für Greenwashing liefert das blau-gelbe Möbelhaus. Ikea nennt sich „Waldpositiv“, hat sich das Ziel gesetzt den Klimaschutz und den Erhalt unserer Wälder zu fördern und macht Werbung mit “grünen” Produkten. Denn “Nachhaltigkeit darf kein Luxus sein.”

Was grundsätzlich nach einer sehr vielversprechenden Idee klingt, entpuppt sich nach einer 18-monatigen Recherche der NGO Earthsight leider als Greenwashing heraus. Denn Ikea bezieht Buchenholz aus illegalen Rodungen in den ukrainischen Karpaten. Das SRF fand ähnliche Vorgänge in Rumänien heraus und der BR stellte illegale Rodungen bis nach Sibirien fest, die mit dem Möbelhaus in Verbindung stehen. Klingt nicht sonderlich “positiv”.

Ist die THG-Quote auch Greenwashing?

Kurz gesagt: Nein. Denn im Gegensatz zu den zuvor genannten Beispielen, handelt es sich bei der THG-Quote weder um ein Marketinginstrument noch um ein Etikett, mit dem Ölkonzerne für ein falsches Umweltbewusstsein werben können.

Beim Handel mit der THG-Quote werden klimaschädliche Emissionen in Zahlungen umgewandelt. Kritiker*innen argumentieren daher, dass man durch die THG-Quote seine saubere Fahrweise verkauft und somit Konzerne bei der Umweltbelastung unterstützt. Das ist so aber nicht ganz richtig, denn der THG-Quotenhandel stellt für quotenverpflichtete Unternehmen eine enorme finanzielle Belastung dar. Der Handel mit den THG-Zertifikaten ist arbeits- und kostenintensiv und sollte daher als Strafe für diejenigen klimaschädlichen Konzerne betrachtet werden, die nicht auf den Verkauf von emissionsarmen Energien umsteigen.

Mit anderen Worten: Die THG-Quote ist kein Greenwashing, sondern ein Anreiz für Kraftstoff produzierende Unternehmen.

Zusätzlich ist nicht garantiert, dass alle Mineralölkonzerne auch wirklich die nötige Menge an THG-Zertifikaten bekommen, um somit die höheren Strafzahlungen umgehen zu können.

Mit der Umverteilung der Gelder, die durch den THG-Quotenhandel entstehen, werden außerdem nicht nur die klimaschädlichen Unternehmen bestraft, die die Quote nicht erfüllen können, sondern auch umweltbewusste Unternehmen bzw. Privatpersonen unterstützt und gefördert, z.B. diejenigen, die auf Elektrofahrzeuge umstellen. Somit gelangen mehr finanzielle Mittel in den Ausbau der eMobilität.

Außerdem: ein steigender Prozentsatz der THG-Quote führt indirekt auch zu steigenden Kraftstoffpreisen. Mineralölkonzerne müssen die durch den THG-Quotenhandel entstandenen Kosten ausgleichen und heben die Kraftstoffpreise dafür an. So erhöhen sich die Haltungskosten eines Autos mit Verbrennungsmotor, wodurch ein Wechsel auf eMobilität noch attraktiver wird und wiederum die Nachfrage nach fossilen Kraftstoffen sinkt.

WIE SEHR NÜTZT DIE THG-QUOTE DEM KLIMA?

Das Ziel der THG-Quote ist es Mineralölkonzerne zu einem nachhaltigeren und umweltfreundlicheren Wirtschaften zu drängen sowie die Elektromobilität zu fördern. Demnach lenkt die THG-Quote den Verkehr langfristig zu emissionsärmeren Energieformen um, was für einen erfolgreichen Klimaschutz absolut notwendig ist.

Ein gutes Beispiel dafür ist der öffentliche Sektor. Beim Kauf neuer Busse gibt es für Städte und Kommunen ein großes Problem: eBusse sind teuer!

Diese Tatsache sollte aber nicht dazu führen, dass weitere neue Busse mit Verbrennungsmotor gekauft werden müssen. Daher kommt die THG-Prämie für eBusse sehr gelegen, denn Busunternehmen können so durch ihre eingesparten Emissionen und die THG-Quote ihre neuen eBusse mitfinanzieren. So können Busunternehmen dank der THG-Quote in nachhaltigere Optionen für ihre Fuhrparks investieren.

Nichtsdestotrotz, der Mobilitätsexperte von Greenpeace Tobias Austrup kritisiert: "[Die THG-Quote] ist nicht schädlich, aber bringt den Klimaschutz leider [noch] viel zu wenig voran."

Denn entscheidend ist auch, wofür die gewonnenen Gelder des THG-Quotenhandels eingesetzt werden. So kann es beispielsweise in den Ausbau weiterer Ladepunkte fließen oder den Kauf neuer Solaranlagen bzw. eFlotten ermöglichen, wodurch die Verkehrswende aktiv vorangetrieben werden würde. Auch denkbar ist die Unterstützung sozialer oder ökonomischer Hilfsprojekte oder anderer nachhaltiger Investitionen.

Das ist aktuell leider, vor allem auf staatlicher Seite, noch nicht gegeben. Insbesondere bei den Strafzahlung an den Staat durch Nichterfüllung der Quote wird dies deutlich. Denn leider ist nicht eindeutig ersichtlich, was mit diesen geschieht. Es ist also nicht auszuschließen, dass mit den Geldern umweltschädliche Subventionen oder ähnliche Maßnahmen finanziert werden.

Was könnte also noch optimiert werden?

Der Einsatz der Gelder sollte, zumindest für den Staat, deutlicher reguliert werden, denn der nachhaltige Nutzen der THG-Quote ist nur dann gegeben, wenn die erhaltenen Gelder für nachhaltige Zwecke investiert werden.

Sinnvoll wäre hier beispielsweise eine Investitionspflicht in die deutsche Ladeinfrastruktur oder weitere Förderungen für die eMobilität bzw. Unterstützung anderer Klimaschutzmaßnahmen. So fordert die Deutsche Netzagentur beispielsweise, dass die Qualität des eingesetzten Stroms noch stärker berücksichtigt werden und grüner Strom nachweislich gefördert werden sollte. Das wäre mit den Strafzahlungen der Mineralölkonzerne möglich.

Zusätzlich könnten die bereits existierenden Förderungsmaßnahmen für die Verkehrswende wie die Befreiungen von der Kfz-Steuer oder Steuervorteile bei eDienstwagen weiter ausgebaut und auf weitere emissionsärmere Fortbewegungsmittel ausgeweitet werden. Diese Maßnahmen sollten Hand in Hand mit der THG-Quote umgesetzt werden, um so die Verkehrswende weiter voranzutreiben.

Denn letztendlich ist die THG Quote nur ein wichtiger Anfang. Es braucht eine Reihe von zusätzlichen Maßnahmen und Instrumenten, die alle auf das gleiche Ziel ausgerichtet sind: die Emissionen reduzieren und das Klima schützen.

Was passiert eigentlich mit nicht angemeldeten THG-Quoten?

Die Anmeldung und Beantragung der THG-Prämie ist für Privatpersonen selbstverständlich freiwillig. Verkaufst du dein Umweltzertifikat jedoch nicht an Mineralölkonzerne, kann der Staat sie bisher nutzen und an deiner Stelle am Quotenhandel teilnehmen.

An dieser Stelle tritt ein ähnliches Problem auf, wie bei den Strafzahlungen. Wie die Erlöse eingesetzt werden, liegt beim Staat und ist nicht festgelegt. Denn der Gesetzgeber muss das Geld nicht zwangsläufig nachhaltig investieren.

Verkaufst du sie hingegen selbst, kannst du das Geld beispielsweise in Klimaprojekte oder eine Wallbox investieren und damit einen umweltfreundlichen Einsatz des Erlöses garantieren.

ZUSAMMENFASSUNG

Die THG-Quote ist kein Greenwashing, da es sich bei ihr um kein Marketinginstrument bzw. leere Versprechen handelt. Im Gegensatz zum “grün malen” großer Unternehmen wie beispielsweise IKEA oder Starbucks, zwingt die THG-Quote die Mineralölkonzerne tatsächlich dazu, ihre Emissionen zu senken. Sie ist damit ein gesetzliches Klimaschutzinstrument, was die Mobilitätswende fördern und Mineralölkonzerne zu einem nachhaltigeren Wirtschaften bringen soll.

Dieses Ziel kann sie jedoch nicht alleine erreichen, daher bedarf es weiterer Klimaschutzinstrumente, die gemeinsam mit der THG-Quote für eine nachhaltiger und umweltfreundlichere Zukunft arbeiten. Die durch den Quotenhandel geförderte Mobilitätswende ist dafür ein guter erster Schritt.

Gehe diesen Schritt mit uns und…

SICHERE DIR DEINE THG-PRÄMIE!
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Karo