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Reden wir über die Nachteile
Die meisten Texte über eAutos verkaufen dir etwas. Dieser hier nicht. Wir listen auf, was wirklich gegen ein eAuto spricht.
Warum wir das tun, obwohl wir vom Elektroauto leben? Weil ein Nachteil, den du vorher kennst, kein Problem ist, sondern eine Entscheidung. Und weil die meisten Enttäuschungen daher kommen, dass jemand mit falschen Erwartungen losgefahren ist.
Ein Hinweis vorweg, der für den ganzen Artikel gilt: Fast jeder dieser Punkte wiegt bei verschiedenen Menschen völlig unterschiedlich schwer. Wer täglich 20 Kilometer pendelt und zu Hause laden kann, erlebt ein anderes Auto als jemand, der monatlich dreimal quer durch Deutschland fährt und am Straßenrand parkt. Deshalb steht bei jedem Punkt nicht nur, was stimmt, sondern auch, wovon es bei dir abhängt.
Der Anschaffungspreis
Was stimmt: Ein eAuto kostet in der Anschaffung in der Regel mehr als ein vergleichbarer Verbrenner. Das ist der Punkt, der die meisten zuerst abschreckt, und er ist real.
Wovon es bei dir abhängt: Vom Vergleichszeitraum und von deiner Fahrleistung. Die Rechnung geht nicht am Kauftag auf, sondern über die Haltedauer. Strom ist pro Kilometer günstiger als Benzin oder Diesel, und es gibt weniger Verschleißteile. Wer viel fährt, holt den Aufpreis schneller herein. Wer wenig fährt, unter Umständen nie. Dazu kommt, dass mehrere staatliche Vorteile die laufenden Kosten senken – dazu unten mehr.
Und: Der Aufpreis gilt vor allem beim Neuwagen. Auf dem Gebrauchtmarkt hat sich das Bild inzwischen gedreht, weil eAutos dort stärker im Preis nachgegeben haben.
Was es aktuell an Zuschüssen gibt, steht in unserem Artikel zur eAuto-Förderung. Ob Kaufen oder Leasen für dich günstiger ist, haben wir hier gegenübergestellt.
Reichweite und Ladezeit
Was stimmt: Ein eAuto kommt mit einer Ladung nicht so weit wie ein Verbrenner mit einer Tankfüllung, und Nachladen dauert länger als Tanken. Daran ändert auch Schnellladen nichts grundsätzlich. Dazu kommt: Die Herstellerangabe nach WLTP erreichst du im Alltag selten – Tempo, Temperatur, Beladung und Fahrstil wirken sich bei eAutos stärker aus als bei Verbrennern.
Wovon es bei dir abhängt: Von deinem Fahrprofil, und zwar fast ausschließlich. Wer zu Hause lädt, startet jeden Tag mit voller Batterie und tankt praktisch nie – der Nachteil verschwindet im Alltag komplett und dreht sich sogar um, weil das Anfahren einer Tankstelle entfällt. Spürbar wird es auf Langstrecke und bei spontanen weiten Fahrten.
Die ehrliche Faustregel: Es geht nicht um die maximale Reichweite, sondern um die Frage, wie oft du eine Strecke fährst, die deine Batterie nicht am Stück schafft. Bei den meisten ist das ein paar Mal im Jahr. Dann ist eine Ladepause auf einer Fünf-Stunden-Fahrt etwas, das viele ohnehin machen.
Was dir tatsächlich Reichweite bringt, haben wir in Reichweite maximieren zusammengetragen.
Laden ohne eigenen Stellplatz
Was stimmt: Der größte Vorteil eines eAutos ist, dass es zu Hause lädt. Wer keinen eigenen Stellplatz hat, verliert genau diesen Vorteil. Wer am Straßenrand parkt, ist auf öffentliche Ladepunkte angewiesen – und öffentlicher Ladestrom ist in der Regel teurer als Haushaltsstrom.
Wovon es bei dir abhängt: Davon, welche Alternativen du tatsächlich hast – und die sind oft größer als gedacht.
Du wohnst zur Miete oder in einer Eigentumswohnung mit Stellplatz? Dann hast du einen gesetzlichen Anspruch darauf, den Einbau einer Lademöglichkeit gestattet zu bekommen. Für Mieter steht das in § 554 BGB, für Wohnungseigentümer in § 20 Absatz 2 WEG. Vermieter und Eigentümergemeinschaft können den Einbau grundsätzlich nicht einfach verweigern. Die Kosten trägst allerdings du.
Du kannst beim Arbeitgeber laden? Dann hast du faktisch dieselbe Situation wie jemand mit Wallbox zu Hause – nur eben tagsüber.
Keine dieser Möglichkeiten? Dann ist es tatsächlich der Punkt, bei dem wir ehrlich sagen: Rechne genau nach. Es geht dann nicht mehr nur um Komfort, sondern um die Wirtschaftlichkeit, weil du dauerhaft zu öffentlichen Preisen lädst.
Der Winter
Was stimmt: Bei Kälte sinkt die Reichweite spürbar. Zwei Gründe: Die Batterie arbeitet bei niedrigen Temperaturen weniger effizient, und die Heizung zieht Energie, die beim Verbrenner als Abwärme ohnehin anfällt.
Wovon es bei dir abhängt: Von deiner Reserve und von der Ausstattung. Wer im Alltag ohnehin nur die Hälfte der Reichweite braucht, merkt den Winter fast nur an der Ladehäufigkeit. Wer schon im Sommer knapp kalkuliert, merkt ihn deutlich.
Fairerweise gehört dazu: Auch Verbrenner verbrauchen im Winter mehr. Der Unterschied ist, dass man es dort seltener bemerkt.
Was im Winter wirklich hilft, steht in eAuto im Winter.
Der Wertverlust
Was stimmt: eAutos haben in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich an Wert verloren. Gründe dafür gibt es mehrere: schnelle technische Entwicklung, ausgelaufene Kaufprämien, Unsicherheit über den Zustand gebrauchter Batterien und ein Gebrauchtmarkt, der noch jung ist.
Wovon es bei dir abhängt: Vor allem davon, auf welcher Seite des Geschäfts du stehst.
Als Neuwagenkäufer trägst du den Wertverlust – für dich ist es ein echter Nachteil. Als Gebrauchtkäufer profitierst du davon, weil jemand anderes ihn bereits getragen hat.
Außerdem relevant: Wertverlust schmerzt nur, wenn du verkaufst. Wer ein Auto lange fährt, für den ist er eine Zahl auf dem Papier.
Wir haben das in einem eigenen Artikel aufgeschlüsselt: Wertverlust beim Elektroauto. Wenn du über einen Gebrauchten nachdenkst, hilft dir eAuto gebraucht kaufen weiter.
Die Ladeinfrastruktur unterwegs
Was stimmt: Das Netz ist in den letzten Jahren stark gewachsen, aber ungleich verteilt und die Preise sind unübersichtlich. Derselbe Ladepunkt kann je nach Karte, Vertrag oder Roaming-Abkommen unterschiedlich viel kosten. Dazu kommen die praktischen Ärgernisse: belegte Säulen, defekte Ladepunkte, Apps, die nicht funktionieren.
Wovon es bei dir abhängt: Davon, wie oft du unterwegs lädst, und von deiner Region. Wer zu Hause lädt, trifft das Thema nur im Urlaub. Wer auf dem Land wohnt, merkt die ungleiche Verteilung stärker als jemand in einer Großstadt.
Der Preisdschungel lässt sich außerdem entschärfen: Die meisten kommen mit zwei bis drei festen Anbietern durch den Alltag, und die Preisunterschiede kennt man nach ein paar Fahrten. Berechtigt bleibt die Kritik trotzdem – transparent ist das System nicht.
Die Sorge um die Batterie
Was stimmt: Die Batterie ist das teuerste Bauteil im Auto, und dass ihre Kapazität über die Jahre nachlässt, ist technisch unstrittig. Die Frage „Was, wenn sie kaputtgeht?" steht bei fast jedem Interessenten im Raum.
Wovon es bei dir abhängt: Vor allem von der Garantie, die dein konkretes Fahrzeug mitbringt. Lass dir beim Kauf genau zeigen, was zugesichert ist: für welchen Zeitraum, für welche Laufleistung und ab welcher verbliebenen Kapazität ein Anspruch entsteht. Bei einem Gebrauchten lohnt sich zusätzlich der Blick darauf, wie viel Garantie noch übrig ist.
Zur Einordnung gehört auch: Ein vollständiger Batterieausfall ist nicht das übliche Szenario. Der Normalfall ist ein allmählicher Kapazitätsverlust. Das Auto fährt weiter, nur die Reichweite wird über die Jahre etwas kleiner. Wie weit du damit noch kommst, entscheidet wieder dein Fahrprofil: Wer ohnehin nur die halbe Reichweite nutzt, merkt davon lange nichts.
Was die Nachteile kleiner macht
Drei Dinge gleichen einen Teil der Nachteile finanziell aus – und sie werden gerne übersehen.
Die staatliche Förderung. Beim Kauf gibt es Zuschüsse, deren Höhe sich unter anderem nach Einkommen und Kindern richtet. Details in unserem Artikel zur eAuto-Förderung.
Die Kfz-Steuer. Reine eAutos sind befristet von der Kfz-Steuer befreit. Wie lange, hängt vom Datum der Erstzulassung ab.
Die THG-Prämie. Weil dein eAuto gegenüber einem Verbrenner Treibhausgase einspart, kannst du diese Einsparung einmal im Kalenderjahr verkaufen – an Unternehmen, die gesetzlich zur Minderung verpflichtet sind.
Wie das genau funktioniert, steht in THG-Prämie beantragen. Begriffe, die dir dabei begegnen, findest du im Glossar zur THG-Quote.
Fazit: Drei Fragen, die für dich entscheiden
Statt einer pauschalen Empfehlung drei Fragen. Wenn du sie beantwortest, weißt du mehr als aus jedem Vergleichstest.
Wo lädst du? Das ist die wichtigste Frage von allen. Mit verlässlicher Lademöglichkeit zu Hause oder bei der Arbeit relativieren sich mehrere der oben genannten Punkte deutlich. Ohne sie wird aus einem Komfortthema eine Kostenfrage.
Wie oft fährst du Strecken, die deine Batterie nicht am Stück schafft? Nicht: wie weit kommst du maximal. Bei den meisten lautet die Antwort „ein paar Mal im Jahr" – und dann ist das planbar.
Wie lange willst du das Auto behalten? Je länger, desto stärker wiegen die niedrigeren laufenden Kosten und desto weniger der Wertverlust.
Und wenn du bereits elektrisch fährst: Hol dir zumindest das Geld ab, das dir ohnehin zusteht.
