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2027 wird das Jahr mit dem größten Sprung
Wer wissen will, wie sich die THG-Prämie 2027 entwickelt, muss nicht raten. Das Entscheidende steht im Gesetz.
Am 23. April 2026 hat der Bundestag das Zweite Gesetz zur Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungs-Quote beschlossen. Der Bundesrat hat am 8. Mai entschieden, den Vermittlungsausschuss nicht anzurufen – damit war der Weg frei, und die neuen Werte gelten seit Juni 2026 (Einordnung der Kanzlei Gleiss Lutz). Das Gesetz legt fest, wie viel CO2 Mineralölkonzerne in den kommenden Jahren einsparen müssen – und genau diese Pflicht ist der Grund, warum es die THG-Prämie überhaupt gibt.
Eines vorweg, weil es zur Ehrlichkeit gehört: Wie hoch deine Prämie 2027 ausfällt, kann heute niemand seriös beziffern. Die Konditionen für ein Quotenjahr werden üblicherweise erst gegen Ende des Vorjahres festgelegt, und der Preis für ein Zertifikat bildet sich am Markt. Was sich sehr wohl sagen lässt: Die Nachfrageseite wird gesetzlich deutlich gestärkt. Ob das am Ende auf deinem Konto ankommt, entscheidet der Handel.
Das steht im Gesetz
Die THG-Quote gibt an, wie viel Prozent der Emissionen ein Unternehmen einsparen muss, das Benzin und Diesel in Verkehr bringt. Je höher die Quote, desto mehr Einsparung müssen diese Unternehmen zukaufen – und dein eAuto liefert genau so eine Einsparung.
Die Werte in der Tabelle stammen aus der amtlichen Übersicht des Zolls zur Quotenhöhe, Rechtsgrundlage ist § 37a Absatz 4 des Bundes-Immissionsschutzgesetzes.
| Jahr | Geforderte Einsparung |
|---|---|
| 2026 | 12,0 % |
| 2027 | 17,5 % |
| 2030 | 26,5 % |
| 2035 | 41,0 % |
| 2040 | 65 % |
Warum 2027 heraussticht
Von 2026 auf 2027 steigt die Quote um 5,5 Prozentpunkte auf einen Schlag. Das ist der größte Einzelschritt im gesamten Quotenpfad – prozentual muss ein Mineralölkonzern 2027 fast die Hälfte mehr einsparen als 2026.
Bemerkenswert daran: Der ursprüngliche Gesetzentwurf sah für 2027 nur 16 Prozent vor und für 2040 nur 59 Prozent. Der Bundestag hat beide Werte im Verfahren noch einmal angehoben. Der Wert für 2040 – 65 Prozent – steht in der Mitteilung des Bundestages zum Beschluss.
Vier Gründe, die für die Nachfrageseite sprechen
Die Quote selbst. Mehr Einsparpflicht heißt mehr Bedarf an Zertifikaten. Das ist der direkteste Zusammenhang.
Die Strafzahlung setzt eine Obergrenze. Wer sein Einsparziel verfehlt, zahlt nach § 37c des Bundes-Immissionsschutzgesetzes 0,60 Euro je Kilogramm CO2 – also 600 Euro je Tonne. Für ein Unternehmen lohnt es sich bis zu dieser Grenze, Zertifikate zu kaufen statt zu zahlen. Wie das im Detail funktioniert, erklären wir in Was passiert, wenn Mineralölkonzerne die Quote nicht erfüllen.
Der Altbestand ist begrenzt – aber nicht für 2027. Für die Jahre 2025 und 2026 durften Quotenverpflichtungen nach § 4a der 38. BImSchV nicht mit Übererfüllungen des Vorjahres bedient werden. Für 2027 gilt eine Ausnahme, die weiter unten wichtig wird.
Der Anrechnungsfaktor für Ladestrom bleibt vorerst bei 3. Nach § 5 Absatz 3 der 38. BImSchV wird die bescheinigte Strommenge mit dem Faktor 3 multipliziert, dazu kommt ein Anpassungsfaktor für die Antriebseffizienz von 0,4 bei batterieelektrischem Antrieb – nachzulesen im FAQ des Umweltbundesamtes zum Vollzug der 38. BImSchV. Nach der alten Regelung wäre dieser Faktor ab 2030 schrittweise gesunken. Das neue Gesetz verschiebt die Absenkung auf die Mitte der 2030er Jahre.
Dazu kommt ein Effekt, der unabhängig vom Gesetz wirkt: Der deutsche Strommix wird sauberer. Je weniger CO2 eine Kilowattstunde verursacht, desto größer ist die Einsparung, die dein eAuto gegenüber einem Verbrenner erzielt. Wie das Umweltbundesamt die Strommengen bescheinigt, ist hier dokumentiert.
Und was dagegen spricht
Ein Ausblick, der nur Argumente in eine Richtung sammelt, ist keiner. Deshalb die Gegenseite – und die ist ernst zu nehmen.
Es werden mehr eAutos. Jedes neu zugelassene eAuto bringt eine weitere Quote auf den Markt. Steigt das Angebot schneller als die Nachfrage, drückt das den Preis, egal wie hoch die gesetzliche Quote ist.
Für 2027 dürfen Altmengen einmalig eingesetzt werden. Das ist kein Gerücht, sondern steht so in der Verordnung: Zur Erfüllung der Quotenverpflichtung 2027 dürfen einmalig Mengen eingesetzt werden, die bereits 2024 oder 2025 in Verkehr gebracht wurden – nachzulesen in der Darstellung des Zolls zur Übertragung der Quotenverpflichtung. Genau darauf stützt sich die Erwartung, dass ein Mengenüberhang aus den Vorjahren 2027 auf den Markt trifft. Im Terminhandel notieren Quoten für 2027 derzeit unter denen für 2026. Die gesetzliche Quote steigt also – der gehandelte Preis muss deshalb nicht mitsteigen.
Es gibt andere Wege, die Quote zu erfüllen. Biokraftstoffe, strombasierte Kraftstoffe und ab Januar 2028 auch Ladestrom aus Biogas konkurrieren mit dem Ladestrom aus eAutos. Wie sich die Preise dort entwickeln, wirkt direkt auf unseren Markt.
Der Markt hat schon einmal überrascht. Als große Mengen mutmaßlich falsch zertifizierter Biokraftstoffe aus China auf den Markt kamen, brach die Nachfrage nach Zertifikaten aus eAutos ein und die Prämien sanken deutlich. Die EU hat inzwischen mit Strafzöllen reagiert und die Bundesregierung die Anrechnungsregeln verschärft – aber das Beispiel zeigt, wie schnell sich ein Marktpreis drehen kann.
Niemand kann dir eine Zahl garantieren. Wer dir heute für 2027 einen konkreten Betrag verspricht, sagt dir etwas über sein Marketing, nicht über den Markt.
Was das für dich konkret heißt
Die Frist ist wichtiger als die Prognose. Strommengen aus nicht-öffentlichem Laden – also dein eAuto zu Hause – müssen dem Umweltbundesamt bis zum 15. November des jeweiligen Jahres gemeldet werden. Das steht in § 8 Absatz 1 der 38. BImSchV, und das Umweltbundesamt stellt in seinem FAQ ausdrücklich klar, dass es sich um gesetzliche Fristen handelt, „die nicht zur Disposition stehen". Rückwirkende Anmeldungen für frühere Jahre sind ausgeschlossen.
Weil wir deinen Antrag vorher noch prüfen und bündeln müssen, ist bei uns der 7. November der letzte Tag. Wer ein Jahr verpasst, bekommt es nicht zurück.
Wenn du 2027 sicher mitnehmen willst, kannst du es bei der Anmeldung direkt mit abdecken. Dann kann dich die Frist für 2027 gar nicht mehr erwischen.
Wenn du auf einen höheren Preis spekulieren willst, ist der Risiko-Tarif der Weg dafür: Du bekommst einen Anteil am tatsächlich erzielten Marktpreis statt eines festen Betrags.
Wie der Antrag abläuft, steht Schritt für Schritt in THG-Prämie beantragen. Begriffe wie Quotenverpflichtete, Anrechnungsfaktor oder 38. BImSchV erklären wir im Glossar zur THG-Quote. Und welche staatlichen Zuschüsse es beim Kauf eines eAutos gibt, steht in unserem Artikel zur eAuto-Förderung.
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Quellen und Stand
Rechtsgrundlagen und amtliche Angaben: Beschluss des Bundestages vom 23. April 2026 · Gesetzentwurf, Bundestags-Drucksache 21/4083 · Quotenhöhe, Zoll · Vollzug der 38. BImSchV, Umweltbundesamt · FAQ des Umweltbundesamtes zur Anrechnung von Strom (PDF) · Fragen und Antworten des Bundesumweltministeriums · § 37a, § 37c BImSchG und §§ 4a, 5, 8 der 38. BImSchV in der jeweils geltenden Fassung.
Juristische und fachliche Einordnung: Gleiss Lutz zur Verschärfung des Minderungspfads · auto motor und sport zur THG-Prämie 2027. Die Markteinschätzungen geben Positionen wieder, die Verbraucherportale, Fachpresse und Marktteilnehmer im September 2026 öffentlich vertreten haben.
Stand: 22. September 2026. Die THG-Prämie ist ein Marktpreis. Dieser Artikel ordnet Rechtslage und Marktmeinungen ein – er ist keine Prognose eines Auszahlungsbetrags und keine Zusage.
